Montessori-Pädagogik Förderkreis
Ulm/Neu-Ulm e.V.

 

Orientierung an den kindlichen Bedürfnissen

Ganz zentrale Fragen der Pädagogik Montessoris sind die Fragen nach den tatsächlichen Bedürfnissen der Kinder, nach den Bedingungen, unter denen sie ihre Neugier, ihre angeborene Freude am Lernen, erhalten und in neue Fähigkeiten umsetzen können. Nach Maria Montessori gibt es 3 authentische Bedürfnisse in der Entwicklung von Kindern:

 

Arbeit

Kinder wollen von sich aus arbeiten, ihre Umwelt gestalten, etwas bewirken. Sie wollen innere und äußere Ordnung erfahren.

 

Ruhe

Kinder brauchen Ruhe, um arbeiten zu können. Dies bedeutet nicht unbedingt das Fehlen von Lärm, sondern vor allem das Vorhandensein einer vor Reizüberflutung schützenden, geborgenen Umgebung. Es bedeutet auch die Möglichkeit, zu sich zu kommen, sich zu konzentrieren, zum Beispiel in Form von Stilleübungen.

 

Bewegung

Um innerlich zufrieden sein zu können, brauchen Kinder die Möglichkeit zu körperlicher Bewegung. Andererseits fördert körperliche Bewegung auch die geistige Entwicklung. Lernen hat immer auch mit Bewegung zu tun, Sie kann Defizite, zum Beispiel auf sprachlichem Gebiet, beheben helfen.

 

 

Montessori-Erkenntnisse

 

Das Kind ist der Akteur seiner eigenen Entwicklung

Das Kind kommt bei der Geburt mit einer biologischen Ausstattung in eine soziale Umwelt. Diese bereitet für das Kind eine Umgebung vor, die auf seine Entwicklungsmöglichkeiten, seine sensiblen Perioden abgestimmt ist. Was das Kind dann aus diesen Voraussetzungen und Bedingungen für seine Entwicklung macht, bestimmt es letztendlich selbst.

 

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Kinder sind eigenständige Lebewesen und dabei ist jedes Kind anders. Pädagogen und Eltern müssen verstehen lernen, dass das Kind sich nicht einfach stufenweise von einem kleinen zu einem großen Erwachsenen entwickelt. Es folgt oft seinen eigenen, kindgemäßen Vorstellungen und Interessen, die sich von denen der Erwachsenen mehr oder weniger deutlich unterscheiden. Das Kind besitzt dabei eine ungewöhnliche Sensibilität und intellektuelle Fähigkeit zu absorbieren und von seiner Umgebung zu lernen. Diese Fähigkeit unterscheidet sich von der des Erwachsenen sowohl in der Qualität als auch in der Kapazität.

 

Die bedeutendsten Jahre im Wachstum eines Kindes ...

... sind die ersten 6 Lebensjahre. In diesen geht unbewusstes Lernen Stück für Stück in bewusstes Lernen über. Das Kind liebt und braucht zweckgerichtetes Arbeiten. Es arbeitet dennoch nicht wie ein Erwachsener, um eine Arbeit abzuschließen, sondern um der Aufgabe selbst Willen. Es ist die Aufgabe, die es befähigt, sein bedeutendstes Ziel zustande zu bringen: seine eigene Entwicklung - seine mentalen, physischen und psychischen Kräfte.

 

 

Hauptmerkmale der Montessori-Erziehung

 

Durch Selbsttätigkeit zur Selbstständigkeit

Hilf mir, es selbst zu tun, so lautet das berühmte Montessori-Motto. Und in der Tat: Die vorbereitete Umgebung kann ihre Wirkung nur entfalten, wenn das Kind frei aus ihr etwas auswählen und in ihr tätig werden kann. Nur diese aufzubauende Freiheit des Kindes führt zur Selbstständigkeit der kindlichen Persönlichkeit.

 

Vom einzelnen Kind ausgehend

Das Kind lebt in der Gemeinschaft der Familie, des Kinderhauses und der Schulklasse. Der hohe Anspruch der Montessori-Pädagogik ist es, innerhalb der Gruppe soweit wie möglich von jedem einzelnen Kind und seinen Fähigkeiten auszugehen.

 

Intensive Beziehung zwischen Pädagogen und Kindern

Montessori verwendete das Wort der Liebe, um die Beziehung zu kennzeichnen. Nur in einer solchen Verbindung lässt sich ihre Vorstellung vom friedlichen Umgang der Menschen miteinander und mit der Natur vorleben und verwirklichen.

 

Jugend als eine besondere Entwicklungsphase

Im Grundschulalter ist die entscheidende Fragestellung des Kindes auf die Entdeckung und Erklärung der Welt bezogen. Jugendliche beschäftigen sich zunehmend mit ihrer Stellung in dieser Welt. In enger Verknüpfung zu den körperlichen Veränderungen in der Pubertät stehen psychische Krisen im Sinne des Selbstzweifels und heftiger Gefühlsbewegungen. Der Erwerb von Bildung, der im Grundschulalter vorherrschte, tritt zurück hinter den Wandel der Persönlichkeit. Der junge Mensch an der Schwelle zum Erwachsensein, zur Berufsfindung sucht seinen Platz. Dies hat pädagogische Konsequenzen. Die Jugendlichen benötigen die Bestätigung, die Ermutigung, dass ihre Arbeit, ihr Tun einen Wert hat. Sie brauchen das Gefühl, dass sie durch eigene Anstrengungen und ihre eigenen Verdienste bestehen können. Vor diesem Hintergrund bestimmt Montessori die weiterführenden Schulen als Raum, der eine breite Palette an pädagogischen Angeboten umfassen muss.

Die Montessori-Pädagogik ist nicht nur eine neue Methode des Unterrichtens, sondern sie ist vor allem eine bewährte Pädagogik der Persönlichkeitsentwicklung. Es geht um die Freude der Kinder am selbstständigen Lernen und um die Fähigkeit der Kinder, »ihren« Weg in unserer Leistungsgesellschaft mit Ich-Stärke und Gemeinschafts-Sinn zu gehen.